Testbericht:
Windows Mobile 2003 Second Edition Update
Tweak: Internet in 640*480

Die Screenshots stammen alle vom Toshiba e800 in der hohen Auflösung. Im Bericht sind sie komprimiert, durch Klicken auf das Bild wird es in unkomprimierter Auflösung gezeigt!

Einige Zeit lang wurde für das Jahr 2004 ein komplett neues Betriebssystem für Pocket PCs erwartet. Nach vielen widersprüchlichen Informationen in den einzelnen Foren und Newsgroups ist seit einiger Zeit klar, dass es sich stattdessen um eine überarbeitete und an einigen Stellen verbesserte Version von Windows Mobile 2003 handelt, der sogenannten Second Edition.
Viele der ab Sommer 2004 auf den Markt kommenden Geräte werden dieses Betriebssystem bereits integriert haben, für einen Teil der aktuellen Geräte (Toshiba e800, einige iPAQs) wird es ein ROM-Update geben. Dieses ersetzt das standardmässig installierte ROM, der PDA muss also danach wie bei einem "normalen" ROM-Update komplett neu aufgesetzt werden. Wichtig: Niemals nach einem ROM Update ein komplettes Update wieder einspielen! Besonders bei dem Systemsprung auf die Second Edition sind viele Kleinigkeiten in der Registry geändert worden, die bei einem Restore komplett überschrieben würden und das System in einen inkonsistenten und damit instabilen Zustand versetzen würden.

Warum gibt es das ROM-Update nun nur für einige wenige PDAs und nicht für alle aktuelleren? Vom PC ist man doch auch gewöhnt, eine neue Betriebssystemversion einspielen zu können? Der Hintergrund ist ganz einfach: Ein PDA ist als "out of the Box"-Produkt ausgelegt. Der Benutzer kann es im Auslieferungszustand in die Hand nehmen und sofort benutzen, ohne dass er noch Treiber oder andere Software installieren muss. Darum besteht das Betriebssystem, das für den Benutzer scheinbar aus einem Guss besteht, aus mehreren Schichten. Als unterstes liegt das reine Betriebssystem, das von Microsoft an die OEMS, also die Hersteller geliefert wird. Dies ist vergleichbar mit einem Betriebssystem für den PC, enthält also spezifische Treiber, etc. noch nicht für alle Hardware. Der Hersteller fügt dann die spezifischen Treiber für die in seinem Gerät verwendete Hardware hinzu. Da bei vielen Geräten auch noch Hersteller-Brandings und Zusatzsoftware auf dem Pcoket PC sind, werden auch diese dem ROM noch hinzugefügt. wie aus der Zusammenstellung erkennen kann, sind zwei der drei Komponenten modellabhängig. für jedes Gerät müsste also ein eigenes Windows Mobile 2003 Second Edition Update erstellt werden, was ganz klar ein Kostenfaktor (sowohl Lizenz- als auch Kostenseitig) ist. Die Hersteller überlegen sich darum ganz genau, für welche Geräte sich der Aufwand rentiert und für welche nicht.

Toshiba hat als erster Hersteller das Update auf Windows Mobile 2003 Second Edition auf seiner Webseite zum Download zur Verfügung gestellt, dankenswerterweise sogar kostenlos. Am Beispiel des Toshiba e800 soll aufgezeigt werden, welche Veränderungen das Update für den Endbenutzer bringt.

Display, VGA, Landscape, Schriftgrösse
Eine der großen und wichtigen Neuerungen ist die Betriebssystem-seitige Unterstützung einer höheren Auflösung. Bisher waren die Pocket PCs eingeschränkt auf eine Auflösung von 320*240 Bildpunkten, was im Verglich mit der großen Konkurrenz Palm mehr und mehr zum Nachteil geriet. Nachdem Toshiba mit dem e800 schon Ende 2003 einen PDA auf den Markt brachte, der auf seinem 4-Zoll Display eine Auflösung von 640*480 darstellen konnte, dies aber nur in wenigen Anwendungen zuliess (Abhilfe brachten diese Hacks), hat Microsoft dies nun direkt in das Betriebssystem integriert.
Wer bisher mit einem Toshiba e800 in der hohen Auflösung gearbeitet hat, der sollte sich das Update auf die Second Edition überlegen, denn die Nutzung der hohen Auslösung findet hier vollkommen anders statt:


Die Screenshots stammen alle vom Toshiba e800 in der hohen Auflösung. Im Bericht sind sie komprimiert, durch Klicken auf das Bild wird es in unkomprimierter Auflösung gezeigt!

Viele der Standardbildschirme scheinen auf den ersten Blick kaum verändert. Wer erwartet, dass plötzlich alles viel kleiner dargestellt wird, der wird enttäuscht. Erst bei genauerem Hinschauen erkennt man, dass die Darstellung der einzelnen Details um ein Vielfaches feiner ist, weil mehr Pixel verwendet werden können. Details, die man vorher schwer lesen konnte, weil sie klein waren, sind jetzt messerscharf und gut zu erkennen.
Nicht alle Anwendungen unterstützen allerdings den Hires-Modus (der sowieso nur für entsprechend ausgelegte PDAs funktioniert, alle aktuellen iPAQs beispielsweise laufen auch unter der SE nur in der QVGA-Auflösung von 320*240!). Erst wenn die "Resolution Awareness" in die Applikation integriert wird, dann wird sie auch tatsächlich in 640*480 ausgeführt, sonst in der Standardauflösung, was im Vergleich ein stück grober aussieht.

Um das Aussehen des Systems weiter anpassen zu können, sind weitere Steuerelemente hinzugekommen. In der Systemsteuerung finden sich unter Touchscreen neben der Ausrichtung des Stifts und des Bildschirms nun einige neue Punkte:


Die Screenshots stammen alle vom Toshiba e800 in der hohen Auflösung. Im Bericht sind sie komprimiert, durch Klicken auf das Bild wird es in unkomprimierter Auflösung gezeigt!

Mit einem Klick kann das Display ins Querformat geschaltet werden, dies wird direkt vorgenommen und nichtm wie bei einigen auf dem Markt befindlichen Zusatztools, erst nach einen Softreset. Abhängig davon, mit welcher Hand man die Hardwaretasten bedienen will, gibt es dafür einen Rechts- und einen Linkshändermodus. Das System erkennt bei der Ausrichtung automatisch, wo und wann Scrollbars nötig sind, und blendet diese selbständig ein und aus (was die Third-Party-Tools meist nicht geleistet haben).
Ebenfalls neu: Die Möglichkeit der Einstellung der Schriftgrösse.


Die Screenshots stammen alle vom Toshiba e800 in der hohen Auflösung. Im Bericht sind sie komprimiert, durch Klicken auf das Bild wird es in unkomprimierter Auflösung gezeigt!

In den Anwendungen, die ins Betriebssystem integriert sind, kann man vor allem in Word und Excel von einer höheren Auflösung profitieren: Durch die Integration einer Zoom-Option kann eine Menge mehr an Informationen dargestellt werden, was einen definitiven Produktivitätsgewinn darstellt.
Noch nicht in Geräte umgesetzt, aber zumindest vom System erlaubt ist der sogenannte Square Support, also Auflösungen von 240*240 bzw. 480*480. Der iPAQ 4350 ist ein Beispiel für ein Gerät, dass davon hätte profitieren können: Die Integration einer Tastatur direkt in das Gerät hat es extrem lang gemacht. Ein quadratisches Display, wäre es schon vom Betriebssystem unterstützt gewesen, hätte aus dem so entstandenen Exoten eine perfekte Messaging-Maschine gemacht.



Die Screenshots stammen alle vom Toshiba e800 in der hohen Auflösung. Im Bericht sind sie komprimiert, durch Klicken auf das Bild wird es in unkomprimierter Auflösung gezeigt!


Ein-Spalten-Modus Internet Explorer
eine weitere Neuerung ist die Erweiterung des Internet Explorers um eine Optimierung von Webseiten für die schmale Breite des Pocket PC Displays. Viele Webseiten bestehen aus mehreren Frames und Spalten, was das Lesen am Pocket PC nicht unbedingt vereinfacht. Die neue Layout-Option "Eine Spalte" formatiert die Ansicht so um, dass die betrachtete Webseite nur noch aus einer Spalte in der richtigen Breite besteht und so bequem unter Verwendung der Cursor-Tasten bzw. des Jogdials angesehen und gescrollt werden kann.


Die Screenshots stammen alle vom Toshiba e800 in der hohen Auflösung. Im Bericht sind sie komprimiert, durch Klicken auf das Bild wird es in unkomprimierter Auflösung gezeigt!

Sicherlich eine kleine Enttäuschung: Der Pocket Internet Explorer selbst läuft zwar in der hohen Auflösung, lässt sich allerdings bei einem VGA-Display nicht herauszoomen, eine "echte" 640*480-Ansicht, wie man sie beispielsweise mit dem Netfront-Browser in der Version für den Toshiba e800 bekommen konnte, gibt es nicht. Und im ersten Schritt noch schlimmer: Die hochauflösende Netfront Version für den e800 läuft momentan auf der Second Edition auch noch nicht. Dafür gibt es allerdings einen leicht durchzuführenden Trick:

NetFront in 640*480
Wer seinen Toshiba e800 vor dem SE-Update bereits in der hohen Auflösung genutzt hat, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die spezielle Version des NetFront Browsers für den e800, die die hohe Auflösung für das Internet-Browsen erst so richtig interessant gemacht hat. Hat man nun das Update durchgeführt, dann stellt man frustriert fest, dass die Darstellung wieder in VGA ist. Dies liegt daran, dass die Applikationen unter Windows Mobile 2003 "Resolution aware" sein müssen, also auf eine vorgegebene Art und Weise die hohe Auflösung erkennen und umsetzen. Solange noch keine aktualisierte Version des Browsers verfügbar ist, kann man sich mit wenig Aufwand behelfen. Auch wenn die folgende Beschreibung extrem komplex klingt, keine Sorge, innerhalb von nicht einmal fünf Minuten ist das Ganze erledigt... die Credits dafür gehen an iBorg im Brighthand-Forum.

Benötigte Software ausser der e800-Version von NetFront:
embedded Visual C++ 4.0 (kostenloser Download) als Tool zum Verändern der EXE, wichtig: ganz unten auf der Seite ist ein CD-Key, der für die Installation benötigt wird!
Repligo (als Applikation, die bereits Resolution aware ist)

Nach dem Download und der Installation der Programme (bei embedded Visual C++ muß sowohl die Software als auch das SDK installiert werden!) müssen als erstes die beiden EXE-Dateien von Netfront und Repligo vom e800 heruntergeladen werden.

Nach dem Start von embedded Visual C++ nun als erstes die Repligo.exe geöffnet werden. Dazu auf File/Open, bei Dateityp alle Dateien und bei Open as: Resources einstellen.

In der nun erscheinenden Baumstruktur den Eintrag "CEUX" heraussuchen und den Schlüssel "HI_RES_AWARE" markieren. und über Edit/Copy in die Zwischenablage kopieren.

Nun muss dieser auf dem selben Weg in die NetFront.exe eingefügt werden: Die Datei wieder wie oben beschrieben öffnen, den Key "NetFront.exe" markieren und über Edit/Paste einfüge. Die modifizierte EXE nun durch File/Save speichern.

Die NetFront.exe kann nun wieder auf den e800 kopiert werden, dafür muss das Programm auf dem PDA beendet sein.

Um die grösse der Symbolew anzupassen, nun aus dem Programmverzeichnis von NetFront die Datei NF3ResourceLib.dll auf den PC kopieren und in NF3ResourceVGALib.dll umbenennen. Die Datei wieder zurück schieben und die Frage nach dem Überschreiben der alten Version bejahen.

Schon sieht eine Webseite so aus: ;-)))

Das einzige kleiere Manko, mit dem man leben muss, ist die Tatsache, dass die Adressleiste (im Bild oben verborgen riesig ist). Bis eine spezielle Version von Netfront für SE rauskommt, tut es diese Lösung aber in jedem Fall.


Allgemeines Design und Start Menü
Grundsätzlich ist das gesamte Design an vielen Stellen deutlich moderner geworden. Die Icons sind runder, farbenfroher, erinnern deutlich mehr an Windows XP wie die der Ursprungsversion von Windows Mobile 2003. Ebenfalls verändert (und an Windows XP angepasst) hat sich die Liste der zuletzt gestarteten Applikationen: Im Hochformat werden diese unter den Standard-Eintragen als Liste angezeigt, der Benutzer muss also nicht mehr anhand der kleinen Symbole raten, welche Applikation sich dahinter verbirgt. Im Querformat, in dem der Platz für das Startmenü deutlich eingeschränkt ist, hat man darauf verzichtet und nutzt wieder die obere Zeile für die Symboldarstellung.


Kompatibilität
Grundsätzlich laufen alle getesteten Anwendungen für Windows Mobile 2003, auch wenn nach der Installation immer die Fehlermeldung kommt, die Applikation sei nicht für diese Version von Windows Mobile geschrieben. Bisher gibt es noch wenig software, die die "Resolution Awareness", also die Auflösungsabhängige Darstellung hat. Dies wird sich aber spätestens ändern, wenn im Sommer 2004 die neuen PDAs auf den Markt kommen, die bereits die SE vorinstalliert haben.

PREIS: herstellerabhäng
FAZIT: Ist das Update auf die Second Edition nötig oder sinnvoll? Das hängt von einigen Faktoren ab. Grundsätzlich ist bis auf die neuen Bildschirmfunktionen nicht viel neues hinzugekommen. Die Spaltendarstellung im Pocket Internet Explorer ist hilfreich, allerdings nutzt man den PDA der Erfahrung nach sowieso nur auf ausgesuchten Seiten, die optimiert sind, der Gewinn dabei also eher gering. Auf der anderen Seite: Das System ist ein Stück moderner geworden, und die Kleinigkeiten, die sich in der Bedienung verstecken, machen Spass. Letztendlich wird es für die "normalen" PDA-Benutzer davon abhängen, ob die Updates kostepflichtig oder gratis angeboten werden.
Für Besitzer eines Tóshiba e800 ist die Entscheidung trotz des kostenfreien Updates ein wenig diffiziler: Wer sich daran gewöhnt hat, dass nach dem Patch der Ursprungsversion alles hochauflösend un klein ist, der wird zumindest am Anfang nicht recht glücklich mit den in der Second Edition zwar hochauflösenden, aber trotzdem großen Symbolen und Darstellungen. wer aber, wie ich, die kleine Darstellung zwar reizvoll, aber auch gleichermassen anstrengend empfunden hat, der wird sich deutlich schneller an die Second Edition gewöhnen. Sobald mehr und mehr Software auf die Möglichkeiten der hohen Auflösung umgestellt ist, wird sich der Vorteil des VGA-Displays verstärkt auszahlen.



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