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Fast anderthalb Jahre ist es her, dass die ersten Berichte und Ankündigungen über einen Palm Treo
auftauchten, der nicht mit Palm OS, sondern mit Windows Mobile ausgestattet sein sollte.
Ermöglicht wurde dies durch die Trennung der Hard- und Software bei Palm, die die Bindung an das Palm OS aufhob.
Im September 2006 endlich ist der Beweis, dass es sich bei all diesen Vorberichten nicht um Gerüchte handelte,
käuflich zu erwerben: Der Palm Treo 750v.

Wer bereits vorher einen Treo gesehen hat, den wird das Design nicht unbedingt überraschen: Einzig die
fehlende Antenne unterscheidet ihn auf den ersten Blick vom Treo 650, der noch mit Palm OS betrieben wurde. Wer
genauer hinschaut, erkennt allerdings recht schnell die kleine Windows-Taste neben dem Steuerkreuz... :-D

Das "v" hinter der Typbezeichnung steht dafür, dass das Gerät momentan exklusiv von Vodafone
vertrieben wird, und das lässt viele Anwender zunächst ein wenig zurückzucken: Zu präsent ist
vielen Anwendern die "Macke" der Netzbetreiber, die Oberflächen von Soft- und Hardware wild in den
eigenen Farben zu verunstalten. Beim Treo 750v hat man sich da extremst zurückgenommen: Nur beim Ein- und
Ausschalten des Telefons kommt ein roter Vodafone-Bildschirm, im Normalbetrieb findet man kein Branding. Auf der
Hardware ist im silbernen Rahmen um das Display ein kleines Vodafone geprägt, was unauffällig ist, und
auf der Rückseite die Vodafone-Träne als erhabener Button eingelassen, was aus meiner Sicht sogar edel
aussieht.

Das Gehäuse des 750v ist aus blau schimmerndem Plastik und so gut verarbeitet, dass es keinerlei Wackeln
oder Knartschen gibt. Unter dem Display befinden sich neben dem Steuerkreuz und den beiden "Schultertasten",
mit denen die in jedem Bildschirm eingeblendeten unteren Menüs bedient werden könne, die beiden Hörertasten,
ein Button zum Aufrufen des Startmenüs und einer, der Programme durch Auslösen von "OK" schließt.
Drückt man die OK-Taste länger, dann wird automatisch ein Task Manager aufgemacht, mittels dessen man
laufende Programme schließen oder zu diesen wechseln kann.
Die darunter liegende Daumentastatur sieht klein aus, und tatsächlich bedarf es einiger Übung, um einigermaßen
schnell darauf tippen zu können, nichts desto Trotz bietet sie einen erheblichen Mehrwert, wenn man unterwegs
schnell eine Mail oder SMS schreiben will. Die weiß abgesetzten Tasten, auf denen zusätzlich die Ziffern
stehen, dienen direkt zur Eingabe von Telefonnummern bzw. der PIN beim einschalten.

Auf der rechten Seite des Geräts befindet sich der Infrarotport und ein miniSD-Slot. Im Gegensatz zu den
neuen HTC-Geräten hat Palm darauf verzichtet, einen microSD-Slot (ehemals Transflash) zu verwenden.
Auf der linken Gehäuseseite sind die Lautstärketasten plus eine weiter, konfigurierbare Hardwaretaste,
auf die man beispielsweise die Kamera legen kann.
Zwei Palm-typische Eigenarten finden sich oben am Gerät: Mit einem Schalter kann ohne das Einschalten des
Gerätes direkt von Klingeln auf Vibration umgestellt werden. Das klingt archaisch, ist in der praktischen
Anwendung aber tatsächlich hilfreich: Wie oft bin ich in Meetings von Benachrichtigungen von Mails oder Anrufen
aufgeschreckt worden und musste dann das Gerät rausnehmen, einschalten, mit dem Stift auf den Lautsprecher
tippen. Beim Treo reicht eine Daumenbewegung, bei der das Gerät sogar noch in der Hemdtasche bleiben kann.
Weniger positiv ist die Verwendung der LED am oberen linken Bildschirmrand. Anfangs hatte ich noch Sorge, sie sei
defekt, weil sie mir weder Benachrichtigungen noch den Netzempfang quittierte... bis ich dann herausfand, dass
sie nur dann leuchtet, wenn entweder kein Netz zu empfangen ist oder das Gerät geladen wird. Folgerichtig
lässt sich in den Benachrichtigungen auch nicht die sonst gewohnte Funktion "LED Blinken" einstellen.
Das ist schade, denn so erkennt man verpasste Anrufe oder Termine nicht an der LED, sondern erst beim erneuten
Einschalten des Gerätes.

Im Gegensatz zu den Palm-Treos besitzt das quadratische Display keine Auflösung von 320 x 320 Pixeln, sondern
die bei Windows Mobile Square Screens übliche Auflösung von 240 x 240. Am Ende muss sich jeder potentielle
Käufer Gedanken über die geplante Anwendung des Geräts machen. Wer ein Messaging-Gerät benötigt,
mit dem er schnell und komfortabel Mails und SMS schreiben kann, der wird den dadurch kleineren Bildschirm gerne
in Kauf nehmen. Wer spielen will, Surfen will, kurz: einen möglichst großen sichtbaren Bereich benötigt,
der sollte sich eher für ein anderes Gerät entscheiden. Qualitativ gehört das Display zu einem der
besten, die aktuell in vergleichbaren Geräten verbaut werden: Es ist hell und scharf, auch in hellem Sonnenlicht
hervorragend lesbar.

In der Praxisanwendung bin ich selbst mehr als zufrieden mit dem Treo750v. Alle Messaging Anwendungen funktionieren
einwandfrei, sei es SMS, MMS oder Email. Der Treo ist mit dem AKU2 von Windows Mobile 5.0 ausgestattet, hat damit
auch die Push-Funktionalität des Mail and Security Feature Pack (MSFP). Ein wenig gewöhnungsbedürftig,
dass der in den anderen Geräten verwendete Connection Manager, in dem alle Drahtlossender wie auch die Datenverbindung
und die Push-Funktionalität ein- und ausgeschaltet werden können, nicht verwendet wurde, sondern eine
proprietäre Lösung. An der Funktionalität ändert dies aber nichts.

Mit seinem 300MHz-Prozessor, den 128MB ROM und 64MB RAM laufen meine Standardanwendungen (inkl. des Mobile Navigator
5) einwandfrei und ohne Ruckeln, das Gerät reagiert sofort auf Eingaben, etc.
Was aber die Bedienung so deutlich von Konkurrenzprodukten abhebt ist die Tatsache, dass man extremen Wert auf
Bedienbarkeit gelegt hat, die auch dem ehemaligen Benutzer eines normalen Mobiletelefons entgegenkommt.
So kann beispielsweise das Telefonmodul durch längeres Drücken der Auflegen-Taste ein- und ausgeschaltet
werden, wozu man bei anderen Geräten über mehrere Menüs gehen muss oder sehr gezielt mit dem Stift
tippen muss.

Im Heute-Bildschirm ist direkt ein Plugin enthalten, dass bei Drücken von Tasten aus den Kontakten entweder
einen passenden Namen sucht oder aber, wenn nur die weißen Zifferntasten gedrückt werden, die entsprechende
Rufnummer annimmt. Das spart das manuelle Wechseln in den Telefonbildschirm und ist deutlich schneller als die
bei Konkurrenzgeräten verwendete Intellidialer-Funktion.
Drückt man auf die grüne Hörertaste, so werden direkt die 10 zuletzt angewählten Kontakte angezeigt
(wie beim normalen Handy die zuletzt gewählten Nummern). Hat ein Kontakt mehrere Nummern, so kann beim Anklicken
direkt die gewünschte Nummer ausgewählt werden.
Bekommt man eine Benachrichtigung über eine eingegangene SMS oder Email, so muss bei anderen Geräten
erst die Benachrichtigung geöffnet werden, dann über "Anzeigen" in den Posteingang gesprungen
werden. Der Treo 750v bietet gleich beide Möglichkeiten an und spart dem Benutzer so Zeit und unnötiges
Geklicke. Viele weitere kleine Verbesserungen machen für mich den Treo 750v zum komfortabelsten "Telefon-PDA",
der momentan auf dem Markt ist.

Der Treo 750v ist erst der dritte PDA auf dem Markt, der neben GSM und GPRS auch UMTS beherrscht und damit mit
hohen Geschwindigkeiten Datenübertragung durchführen kann. Ob man nun im Internet surft (was auch mit
dem kleinen Display machbar ist) oder Mails abruft, die Geschwindigkeit ist spürbar höher als bei einem
GPRS-Gerät. Vodafone selber hat angekündigt, man wolle zeitnah ein HSDPA-Update auf den Markt bringen,
was den "Datenturbo" einschaltet und noch höhere Übertragungsraten erlaubt. Das mag für
den Benutzer des Treo alleine nicht überragend interessant sein, wer das Gerät aber in Verbindung mit
einem Notebook als Modem verwendet, der wird dies zu schätzen wissen.
Einzig WLAN fehlt dem Treo. Fehlt es ihm? Er hat es zumindest nicht an Bord und lässt somit die Möglichkeit
ungenutzt, per VoIP in WLANs günstiger zu telefonieren, das ist sicherlich ein Argument. Subjektiv fehlt es
mir persönlich eher nicht: Als starker Datentelefonierer (und damit sicherlich in der Kern-Zielgruppe des
Treo) habe ich sowieso einen GPRS/UMTS-Volumenvertrag, der das benötigte Volumen abdeckt. Im "Notfall"
kann immer noch durch eine miniSD-WLAN-Karte erweitert werden.
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